Ein bisschen so wie Martin

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Im Kinderhaus wird seit ein paar Tagen mit Eifer an den Laternen gebastelt, im Morgenkreis wird das Martinsspiel geübt und gesungen und wir erfahren, wie aus dem Soldaten Martin ein Heiliger wurde. Im Stillen gab er sein Mantelteil, wurde verlacht, da er seine Uniform verschandelte, aber er war glücklich, jemandem etwas Gutes getan zu haben. Das war der Beginn eines neuen und erfüllteren Lebens. Martin stiftet Frieden, ließ sich taufen und half, wo immer er gebraucht wurde.

Die Menschen in Tours ernannten Martin, der mittlerweile ein Kloster gegründet hatte, zu ihrem neuen Bischof. Zunächst wollte er dies nicht und der Legende nach versteckte er sich im Gänsestall und blieb dabei nicht unbemerkt. Martin wurde also Bischof. Heilig wurde er durch seine Heilungen an Kranken, seiner Zuwendung zu allen Menschen und Tieren und auch Naturgewalten bot er Einhalt.

In dunklen Zeiten hatte er gelebt und brachte durch sein Wirken und Heilen ein Licht der Hoffnung und ein Zeichen der Liebe in die Welt. So gedenken wir jedes Jahr diesem Heiligen an seinem Todestag mit Laternen, die wir durch die Straßen tragen. Wir lassen seine Geschichte im Spiel neu aufleben, lernen das Grundprinzip des Teilens, der selbstlosen Hilfe bei Anderen und wie glücklich es dabei macht.

Täglich erleben wir, wie Kinder miteinander umgehen und wie wir von ihnen dabei lernen können. Wurde das Vesper z.B. nicht eingepackt und der Rucksack ist leer, gibt es einen „Teile-Teller“ für das betroffene Kind, jeder gibt ein wenig von seinem Essen ab und schon ist die Welt wieder in Ordnung.

Stürzt ein Bauturm ein oder die Bügelperlen werden auf dem Boden verteilt, gibt es immer herbeieilende Helfer und dann ist das Aufräumen nicht mehr so schlimm. Kinder spüren sehr schnell, wenn es dem Freund oder der Freundin nicht gut geht. Zieht sich ein Kind zurück, ist es traurig, da es die Eltern vermisst, findet es sofort Beachtung und eine Lösung wird von den Freunden gesucht. Dann ist eine Umarmung gut und das Kuscheltier wird ausgeliehen. Wie oft erleben wir solche Situationen und wir staunen, zu welchen Lösungen Kinder kommen, wie selbstlos sie handeln und darum wenig Aufhebens machen. Wie einfach ist es doch manchmal und wie kompliziert wird es oft von uns Erwachsenen angegangen.

Jede Krise birgt einen Neuanfang und ein Besinnen auf das Wesentliche im Leben. Zum Beispiel das Miteinander und das liebevolle füreinander Dasein. Wir können in dieser Hinsicht von den Kindern nur lernen und ihre gottesgegebene Unvoreingenommenheit vor allem schätzen lernen. Die Kinder nehmen uns mit ihrer Leichtigkeit mit und so sind sie für uns das Licht in dieser Welt.

Auf alle Fälle freuen sich die Kinder dieses Jahr wieder mit ihren erleuchteten Laternen durch die Straßen zu gehen, mit ihren Eltern zu singen und das Martinsbrötle zu teilen. Und das ist selbst zu Coronazeiten möglich!

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